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FAQ: Reproduktionen
Licht-
einfalls
winkel
Der Lichteinfallswinkel hat bei Reproduktionen entscheidenden Einfluss auf das Resultat. Er wirkt sich auf die Wiedergabe der Räumlichkeit (Plastizität) sowie das Reflexionsverhalten (Lichtreflexe, Verspiegelungen und Verblitzungen) der Vorlagen aus.
Plastizität
Durch den Einfallswinkel der Ausleuchtung wird die Wiedergabe der Plastizität der Vorlagen festgelegt.

Steiler Beleuchtungswinkel:

Je steiler der Beleuchtungswinkel, desto "flacher" wird die Vorlage wiedergegeben.

Die Informationen über die räumliche Beschaffenheit der Materialien gehen bei steilem Licht weitgehend verloren, indem durch die räumlichen Erhebungen kein Schatten mehr geworfen wird.

Bei zu steilem Beleuchtungswinkel lässt sich beispielsweise in der Reproduktion eines Ölgemäldes nicht mehr erkennen, wie pastos der Maler die Farbe aufgetragen hat oder wie grob die verwendete Leinwand war.

Abb. 1Lichtsituation
bei Reproduktionen
mit steiler Ausleuchtung
(kaum Schattenbildung)

Abb. 1



Flacher Beleuchtungswinkel:

Bei flachem Beleuchtungswinkel wird die Plastizität der Vorlage übertrieben wiedergegeben.

Durch zu flaches Licht entstehen große verschattete Bereiche in der Abbildung, und bereits kleine Unebenheiten (Knicks, Falten, Staub, Verwerfungen) werden in der Reproduktion deutlich sichtbar.

Bei zu flachem Beleuchtungswinkel werden beispielsweise feine Knicke und Verwerfungen in Aquarellen sichtbar, die unter normaler Beleuchtung mit bloßem Auge nicht wahrgenommen werden können. Die Reproduktion bekommt hierdurch einen verfälschenden Charakter.

Abb. 2Lichtsituation
bei Reproduktionen
mit flacher Ausleuchtung
(starke Schattenbildung)

Abb. 2


In den folgenden Abbildungen noch einmal Gegenüberstellungen aus der Praxis.

steile Ausleuchtung ("flache" Abbildung) Streiflicht (plastische Abbildung)
Abb. 3 Abb. 4
Abb. 5 Abb. 6

Abb. 3, 4, 5, 6 (oben: Tongranulat, unten: Ölfarbe auf Leinwand, jeweils identische Ausschnitte)

In der Praxis bewährt sich ein Ausleuchtungswinkel zwischen 30 und 45 Grad für Standard-Reproduktionen. Von diesem sollte nur abgewichen werden, wenn in der Reproduktion absichtlich eine Überzeichnung oder Abflachung der plastischen Oberfläche bewirkt werden soll.

Lichtreflexe
Lichtreflexe, Verblitzungen oder Spiegelungen von Lichtquellen bei Reproduktionen lassen sich weitgehend in deren Stärke und Art durch den Beleuchtungswinkel beeinflussen. Ein pauschaler Zusammenhang (z.B. steilere Ausleuchtung = mehr Reflexe) lässt sich jedoch nicht ableiten. Vielmehr muss exakt auf die jeweilige Oberflächenbeschaffenheit der Vorlage eingegangen werden.

Anmerkung:
Es besteht in diesem Zusammenhang kein prinzipieller Unterschied zwischen matten und glänzenden Oberflächen der Vorlagen. Matte Oberflächen verhalten sich nicht anders als glänzende, die eine sehr feine räumliche Struktur (z.B. Körnung) aufweisen. Die Reflexpunkte werden dadurch so klein, dass sie nicht mehr isoliert wahrgenommen werden können, sie sind aber dennoch vorhanden. Die Folge vieler solcher Mini-Reflexe sind gesenkter Gesamtkontrast und eine "Vermilchlichung" des Bildes (kein tiefes Schwarz, verweißlichte Farben).



Organische Oberflächen

Zu diesen Oberflächen zählen die meisten der zu reproduzierenden Vorlagen: Zeichnungen und Aquarelle auf Papier, Gemälde auf Holz, Karton oder Leinwand, auch unkaschierte Fotos. Praktisch alle organischen Oberflächen bestehen aus mehr oder weniger stark ausgeprägten Unebenheiten mit einem überwiegenden Anteil weitgehend parallel zur Bildebene liegender gerader oder gewölbter Flächen.

Bei diesen Oberflächen steigt mit steilerem Ausleuchtungswinkel der Anteil des in die Kamera reflektierten Lichtes, Reflexe und Verblitzungen nehmen zu, der Kontrast nimmt ab ("Verweißlichung"). Ab einem bestimmten Winkel spiegelt sich sogar sichtbar die Lichtquelle in der Vorlage.


steile Ausleuchtung (große Reflexe) flache Ausleuchtung (kleine Reflexe)
Abb. 7 Abb. 8
Abb. 9 Abb. 10
Abb. 7, 8, 9, 10 (unten: starker Ausschnitt aus einem mit grob mattierter Folie beschichteten Foto)



Spezielle technische Oberflächen

Bei manchen technischen Oberflächen (bestimmte Kaschierfolien, Mikroprismenraster, Scotchlight-Folie [tm], "Kipp"-Postkarten, etc.) existiert nur ein geringer Anteil parallel zur Bildebene liegender gerader oder gewölbter Flächen. Bei der Ausleuchtung solcher Oberflächen muss mit außerordentlich überraschenden Effekten gerechnet werden.

Bei speziellen technischen Oberflächen muß der Ausleuchtungswinkel exakt an die Gegebenheiten angepasst werden.


steile Ausleuchtung (kleine Reflexe) flache Ausleuchtung (große Reflexe)
Abb. 12 Abb. 11
Abb. 12, 11



In der Praxis bewährt sich bei den meisten Oberflächen ein Ausleuchtungswinkel zwischen 30 und 45 Grad. Es gibt jedoch spezielle technische Oberflächen, bei denen eine solche Ausleuchtung zu krassen Fehlergebnissen führen würde. In diesen Fällen ist eine pauschale Regel nicht möglich, sondern es muss eine speziell der jeweiligen Oberflächenstruktur angepasste Beleuchtung gefunden werden.

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