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Das "E-6 Spiel", eine didaktische Anleitung |
| Einführung |
Der sogenannte E-6 Prozess ist das von Kodak entwickelte standardisierte chemische Verfahren, mit dem die meisten heute benutzten Diafilme entwickelt werden. Es handelt sich dabei um eine präzise einzuhaltende Abfolge von sieben verschiedenen chemischen Bädern plus mehrerer Wässerungs- und Trocknungsstufen. Abweichungen im Prozessablauf von bereits wenigen Sekunden oder wenigen Zehntel Grad bewirken gravierende Veränderungen im Entwicklungsergebnis, genauso wie geringste Verunreinigungen oder Veränderungen im Bewegungszyklus.
Um eine Kontrolle über diesen komplexen Prozess zu erlangen - bei Störungen innerhalb von Sekunden die richtige Entscheidung fällen zu können oder um kreative Veränderungen im Prozessablauf zu entwickeln - ist eine grundlegende Kenntnis der verschiedenen Abläufe und Mechanismen unabdingbar. Die in den gängigen Lehrbüchern angebotenen Darstellungen des E-6 Prozesses sind im Allgemeinen jedoch aus einer rein technischen Sicht her aufgebaut und stellen sehr hohe Anforderungen an das Vorstellungsvermögen. Ich habe daher während der letzten Jahre das "E-6-Spiel" entwickelt, um Neueinsteigern in die Materie möglichst schnell und mühelos ein Werkzeug in die Hand zu geben, sich die Wirkungsweise der wichtigsten fotografischen Prozesse zu veranschaulichen und die Folgen veränderter Prozessparameter vorherzusehen. Es handelt sich bei diesem Spiel lediglich um eine andere, spielerische Betrachtungsweise des technischen Vorgangs, die mit vier verschiedenen "Spielsteinen" und fünf "Spielregeln" auskommt. Auf diese Weise betrachtet wird die qualitative Darstellung des E-6-Prozesses nur unwesentlich komplizierter als ein einfaches Brettspiel, und der spielerische Ansatz nimmt offenbar vielen Personen die Scheu vor der Auseinandersetzung mit dem unbeliebten Thema. Mit weiterer Verfeinerung der Spielregeln - bei einer gewünschten Vertiefung in die Materie - lassen sich auch komplexere semiquantitative Aussagen ableiten. Selbstverständlich lässt sich das Spiel auch für einfacher aufgebaute Prozesse (C-41, RA-4, EP-2) anwenden und somit auch absichtliche Falschverarbeitungen (z.B. Cross-Entwicklung) erfassen. Die Regeln dieses Spiels beziehen sich auf alle chromogenen fotografischen Prozesse, auch die Schwarzweiss-Verarbeitung lässt sich mit dem Spiel weitgehend darstellen. Keine Anwendung finden die folgenden Regeln jedoch bei vollkommen anders aufgebauten Verfahren wie beispielsweise chromolytischen Prozessen, Ciba, Kodachrome etc. Das "E-6-Spiel" hat sich in unserer betrieblichen Praxis bei zahllosen Praktikanten und Lehrlingen außerordentlich bewährt, aber auch Laboranten, die seit Jahren mit diesen Prozessen arbeiteten, profitierten nach eigenen Aussagen von dieser anderen Betrachtungsweise. Bereits nach einer Stunde können selbst Personen mit wenig Laborerfahrung auf diese Weise selbsttätig die groben Auswirkungen von Prozessfehlern oder absichtlicher Falschverarbeitung vorhersagen. Als Voraussetzung für das Verstehen der Spielregeln genügen die Kenntnis über die Unterschiede zwischen den Filmtypen Farbdia, Farbnegativ, Schwarzweiss-Negativ, sowie minimale Laborerfahrung, z. B. Schalenentwicklung Schwarzweiss. |
| Copyright
Die Verwendung dieser Anleitung außerhalb des Internets zur ausschließlich nichtgewerblichen Nutzung (z. B. Fotoclubs) ist ausdrücklich erwünscht, jedoch nur unter Angabe der Quelle (URL + Postanschrift) und Copyright-Vermerk. |
| Didaktische Anmerkungen
Silberhalogenid Silber Farbstoffe Farbkuppler Erstentwickler (EE) Umkehrbad (UB) Farbentwickler (FE) Konditionierbad (KB) Bleichbad (BL) Fixierbad (FX) Stabilisierbad (Stabi, Netzmittel) Bäderfolge E-6 Prozess Bäderfolge C-41 Prozess (auch EP-2, RA-4, ohne Stabi) Bäderfolge SW-Film (auch Papier, ohne Stabi) (Leichte Modifikationen der Bäderfolgen je nach Maschinentyp sind möglich) |
| Die Spielsituation |
Wir fotografieren in Gedanken einen weißen Kreis auf einem schwarzen Karton.
Das zu erwartende Endprodukt eines korrekten E-6 Prozesses ist also ein schwarzes Dia mit einem durchsichtigen Kreis in der Mitte, entsprechend umgekehrt bei Negativen. |
| Didaktische Anmerkungen
Die Ausgangsituation ist die denkbar einfachste fotografische Konstellation. Da bei diesem Gedankenspiel alle Farbschichten gleichmäßig betroffen sind, können sie in dieser einfachsten Spielstufe als eine einzige Schicht betrachtet werden. |
| Die Spielsteine |
Nur vier verschiedene Spielsteine werden benötigt:
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| Didaktische Anmerkungen
Es empfiehlt sich in der Praxis, die Auszubildenden dazu anzuleiten, die Kästchen tatsächlich selbst zu zeichnen, entsprechende Buntstifte sind bereitzustellen. |
| Die Spielregeln |
Die verwendeten Spielregeln sind genauso einfach:
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| Didaktische Anmerkungen
Das war's. Unter konsequenter Anwendung dieser Regeln können sowohl die Ergebnisse der gängigen Farbprozesse aus auch die Konsequenzen von Prozessfehlern vorhergesagt werden. Die Spielregeln sind "exklusiv" zu verstehen, das heißt zum Beispiel: Erstentwickler macht das und nur das - er hat auf andere Spielsteine keine Auswirkungen! Nach Verinnerlichung der verschiedenen Spielsteine und Spielregeln müssten die Auszubildenden bereits in der Lage sein, nach Nennung der jeweiligen Bäderfolge der Prozesse, Stufe für Stufe selbständig zum richtigen Ergebnis zu kommen. Aus didaktischen Gründen - um frustrierende Erlebnisse durch Leichtsinnsfehler zu vermeiden - sollte von vorne herein auf saubere und übersichtliche Zeichnungen der Auszubildenden geachtet werden. |
| Belichtung |
Belichtung des Films (weißer Kreis auf schwarzem Grund):
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| E-6 Prozess |
EE (Erstentwickler) |
| Didaktische Anmerkungen
Das Konditionierbad wird bei diesem Schema absichtlich weggelassen, da es nur chemisch vermittelnde Wirkung hat, entsprechend einem Stopbad bei der Schwarzweiss-Verarbeitung. Das gleiche gilt für das Stabi und eventuelle Zwischenwässerungen, z.B. zwischen BL und FX, nicht jedoch zwischen EE und UB (siehe unten). Eine entsprechende Erläuterung sollte in einer späteren Stufe der Unterweisung erfolgen. Die Zwischenwässerung zwischen EE und UB hat zwar keine direkten Auswirkungen auf den Film, stellt aber ein großes Fehlerpotential in der Praxis dar. Daher sollte sie bei der Vorstellung des E-6 Prozesses - zumindest in einem nachfolgenden Schritt der Verfeinerung des Modells - dringend mit einbezogen werden. |
| C-41 Prozess |
FE (Farbentwickler) |
| Didaktische Anmerkungen
Zu erläutern wäre noch die - hier ausgelassenen - Zwischenwässerung zwischen BL und FX, das Stabi sowie die orange Maskierung bei Farbnegativfilmen, durch die das abgebildete Ergebnis (schwarz auf klarem Grund) nicht exakt mit der Realität (schwarz auf orange Grund) übereinstimmt. Das gleiche Schema kann für andere Prozesse - EP-2, RA-4 - verwendet werden, wenn die spezifischen Abweichungen (z.B: Zusammenlegung von BL und FX) kurz besprochen werden. |
| SW Prozess |
EE (Erstentwickler) |
| Didaktische Anmerkungen
Zu erläutern wäre noch das - hier ausgelassene - Stopbad bzw. Zwischenwässerung sowie das Stabi (Netzmittel). Das gleiche Schema kann für die Papierverarbeitung verwendet werden, wenn die spezifischen Abweichungen (z.B: Entfallen des Netzmittels) kurz besprochen werden. |
| Didaktische Anmerkungen - Wie geht's weiter?
Sollte eine Praxisfestigkeit des Gelernten erreicht werden, so empfiehlt es sich, weiter zu trainieren:
Bei weiterer Vertiefung in die Materie müsste in einem weiteren Schritt zwischen den verschiedenen Farbschichten differenziert werden. Die obigen Arbeitsschritte erfolgen dann jeweils dreimal für die einzelnen Farben (Wir fotografieren einen gelben Punkt auf blauem Grund...). Die Wirkung der verschiedenen Farbschichtkombinationen ist unbedingt zu veranschaulichen (z. B. Farbfolien). Ferner müsste eine Differenzierung in quantitativer Hinsicht erfolgen (Was passiert, wenn die Wirkung des Bleichbades durch zu starken Verbrauch nicht mehr genügend ist? etc.). |
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